Friederike Take, erstmalig Teilnehmerin 2010, verfasste für uns den folgenden Bericht:
Das erste Mal dabei – Meine Erfahrungen mit dem „Offenen Garten“
Am schlimmsten war es im April. Im April, wenn die erste Freude über Winterlinge und Schneeglöckchen abgeebbt ist und in den Beeten noch jede Menge braune Erde sichtbar ist, bin ich immer besonders ungeduldig und versuche geradezu, die Stauden aus dem Boden zu gucken.
Und ausgerechnet in diesem Jahr, in dem nach dem strengen Winter die Vegetation deutlich zurück lag, hatte ich mich zum ersten Mal für die Teilnahme beim „Offenen Garten“ gemeldet. Das konnte nicht gut gehen! Wie sollte ich bis zum 19./20. Juni diesen Garten in ein rauschendes Blütenmeer verwandeln? Erfreulicherweise setzte aber wie überall auch in meinem Garten das Wachstum ein, und mit dem Unkraut in den Beeten keimte in mir die Hoffnung, dass es doch noch klappen könnte.
Nun liegt das Wochenende des „Offenen Gartens“ hinter mir und ca. 130 Gäste haben meinen versteckt liegenden, kleinen Garten bei durchwachsenem Wetter besucht. Die vielen überschwänglichen, begeisterten Kommentare haben mich sehr gefreut.
Waren die Augen der Welt an diesem Wochenende auf die schwedische Prinzessin Viktoria gerichtet, so war der Star in meinem Garten eindeutig „Prinzesse Sturdza“, eine weiße Sterndolde mit auffällig großen Blüten. Auch die Indigolupine, die in diesem Jahr das erste Mal üppig blüht, zog die Blicke auf sich.
Viele Besucher zeigten sich angetan von der Aufteilung des Gartens, besonders des formalen Teils auf der Nordseite des Hauses. Der mit Frauenmantel bepflanzte alte Koffer rief so manches Schmunzeln hervor.
Zahlreiche positive Äußerungen kamen auch immer wieder zu den Elementen, bei denen ich unsicher war, weil sie nicht dem gängigen Geschmack entsprechen: die Lärchenholzverkleidung des Hauses, das Rankgerüst aus Betonstahlmatten und die „verkehrt herum“ verwendeten Gehwegplatten.
Ehemalige Kursteilnehmer aus meinen VHS-Gartenkursen sind dagewesen, um zu gucken, wie es denn bei mir aussieht. Da kam dann noch einmal positive Rückmeldung zu den Kursen. Nett war auch der Besuch einer “uralten” Bekannten aus den Anfängen der Studienzeit, die inzwischen in Bremerhaven lebt.
So hat sich die viele Arbeit, die ich zweifelsohne hatte, doch gelohnt. Es waren ja noch viele Bereiche nicht fertig angelegt. Da gab es dann noch mache Überraschung:
Seit Jahren war ich an Feldrändern und auf Äckern unterwegs, um Steine für die Trockenmauer am Fuß meines Knicks zu sammeln. Immer wieder habe ich herumgefragt, um günstige Quellen aufzutun. Als der Termin des “Offenen Gartens” näher rückte, und die Mauer immer noch nicht fertig war, entschloss ich mich, in den sauren Apfel zu beißen und die Steine käuflich zu erwerben. Also auf zum Kieswerk und innerhalb von 10 min 20 perfekte Steine aus einem Haufen gesucht und in den Kofferraum geladen. Mit dem Auto auf die Waage und dann voller Erwartung zum Bezahlen. “Nun lachen Sie mich wegen des Preises aber nicht aus!” war der Kommentar des Mitarbeiters: “Ein Euro vierzehn!” Und ich zerschramme mir die Beine an Brombeerranken, um gnubbelige Steine aus dem Knick zu klauben… Dies als kleiner Tipp für alle, die Ähnliches vorhaben.
Einen Riesenschreck bekam ich dann noch einmal, als ich am Mittwoch nach Hause kam und in allen umliegenden Straßen Schilder standen: Absolutes Halteverbot ab dem 18.6.”! Jeder Gartenbesucher müsste sich verkohlt vorkommen, wenn er meinen Garten besuchen wollte! Aber ich wohne ja in Kronshagen. Beim Bauamt der Gemeinde hatte man Verständnis für mein Anliegen und hat die Arbeiten so verschoben, dass die umliegenden Straßen pünktlich zum Wochenende fertig waren. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön!
Dass man bei Backrezepten aus dem Internet sehr genau hingucken muss, habe ich inzwischen auch gelernt. Im ersten ausgedruckten Rezept für den schnellen Butterkuchen war kein Backpulver angegeben. Der klitschige Kuchen landete im Mülleimer. Im nächsten Rezept war kein Mehl angegeben. Aber das habe dann sogar ich gemerkt… und konnte meinen Gästen auch Kuchen anbieten.
Ach, und dann war da noch der Anruf eines wenig sympathisch klingenden Mannes, der sich erkundigte, ob er trotz meines Wunsches, keine Hunde mitzubringen, nicht doch mit seinem Rottweiler kommen dürfe! Ich war so damit beschäftigt, mir zu überlegen, wie ich ihn anwimmele, dass Konrad, mein Sohn, sich schließlich als der Scherzbold zu erkennen geben musste, der mich in Verlegenheit gebracht hatte! Da war das Gelächter natürlich groß.
Alles in Allem war es ein schönes Wochenende und ich freue mich schon auf den 3. Oktober.
Allen liebevollen Helfern im Hintergrund danke ich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich.
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Für folgendes Gedicht bedanken wir uns recht herzlich bei Manfred Deutschmann. Haben auch Sie, liebe Besucher, Eindrücke, Vorschläge und Anregungen, die Sie uns mitteilen möchten? Senden Sie uns diese gern per E-Mail an info@offenergarten.de zu!
Offene Gärten
Seit Jahren rühmt sich Schleswig-Holstein einer lobenswerten Aktion.
Sie hat inzwischen eine viel beachtete Tradition.
Hunderte von Eigentümern öffnen einladend ihren Garten,
am Eingang brauchst du wahrlich nicht zu warten.
Im Juni jeden Jahres find´st du Einlass in so manches Paradies,
mitunter versteckt hinter Häusern wie ein Verlies.
Doch hast den Zugang du dann gefunden,
stehen dir bevor bezaubernd schöne Runden.
Es erfreuen dich majestätische Bäume, Sträucher, Stauden
der verschiedensten Art, umgeben oft von ansprechenden Gartenlauben.
Eine unglaubliche Fülle herrlicher Blüten strahlt dich an,
von ihrer abwechslungsreichen Pracht bist alsbald du angetan.
Farblich ansprechend komponierte Beete sind wie Symphonien,
in denen Blumenschönheit anmutig kommt zum Erblühen.
Bisweilen figuriert einheitliche Farbgestaltung einen stilvollen Salon,
innerhalb eines Blumenteppichs abgegrenzt von einem weiteren Farbton.
Rosen und Rhododendren, dazu Hortensien beherrschen das Bild,
es finden sich Clematis, Jasmin, Weigelie und vieles mehr in Gefield.
Gerne werden kletternde Rosen und Clematis so gezogen,
dass sie ranken über einen Durchgang gewährenden hohen Bogen.
Viele Gärten warten auf mit Teich, plätscherndem Gewässer.
Führt eine gewölbte Brücke schwungvoll drüber, wirkt´s noch besser.
Im feuchten Nass tummeln sich Fische und anderes Getier,
blühende Seerosen sind wahrlich mehr als eine Zier.
Verschlungene Wege führen dich behutsam durch die Herrlichkeit,
geben nach wenigen Schritten neue Anblicke frei, manchmal weit.
Geheimnisvolle Skulpturen umsäumen Pfade, schmücken eine Ecke,
lauschige Sitzplätze laden zum Verweilen ein, oft im Verstecke.
Manche Gärten weisen auf ausgeprägte Hanglagen,
die in Terrassen angelegte Beete vorzüglich vertragen.
Andere Anlagen haben einen schützenden Wald im Hintergrund,
dort ist das gesamte Landschaftsbild quasi rund.
Spezialisten erstellen einen heilbringenden Kräutergarten
mit der Kräuter zahlreichen und diversen Arten.
Von Kräuterfrauen immer wieder begeistert ist zu hören,
wie sehr Kräuteraromen, ihre ätherischen Öle uns betören.
Offensichtlich fühlen Vögel von einem naturbelass´nen Garten sich angezogen,
ihrem lieblichen Gesang sind wir hingebungsvoll gewogen.
Einem gesunden Garten bekommt die Vielzahl an Insekten,
wer ihnen aufstellt ein Hotel, wird zum perfekten Gartenarchitekten.
Ein Garten bietet dem viel beanspruchten Bürger einen stillen Ort,
er kann abschalten, Kummer und Sorgen fliehen fort.
Suchst du Entspannung, Ruhe und Frieden in dir,
geh´ in den Garten, du findest alles reichlich hier.
Die Gartenfreunde üben eifrig sich im schöpferischen Gestalten,
im einfühlenden Werkeln kann ein Talent sich hervorragend entfalten.
Als Resultat führt das oft zu gelungenen Natur-Kunst-Werken,
zeugen immer wieder von überraschend imposanten Stärken.
So präsentieren viele Gärten ein liebenswertes Stück heimischer Kultur,
geglückt eingefügt und zugleich abgerungen der Natur.
Es verwundert nicht, in Gartenliebhabern anzutreffen so
überzeugt Naturbeflissene auf hohem kulturellem Niveau.
Die jeweils zwei willkomm´nen Tage der offen Gärten
sind als liebenswürdige Tage der Begegnung zu bewerten,
der Begegnung zwischen Menschen, die Natur zu schätzen wissen,
und das selbst geschaff´ne Kulturwerk Garten nicht wollen vermissen.
Manfred Deutschmann, Juni 2008

